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Der geköpfte Hahn, ist ein
Roman über Siebenbürgen, über die
multikulturelle Gemeinschaft Siebenbürgens,
angelehnt an die Jugend des Autors, ein
Siebenbürger Sachse, Jahrgang 1933, heute
evangelischer Pfarrer in Rothberg (Roşia)
bei Hermannstadt (Sibiu).
In einer kleinen Stadt im Herzen von
Siebenbürgen treffen sich die Freunde des
16jährigen Ich-Erzählers im Hause seiner Eltern
zum Tanztee. Es soll ein Fest werden zum
Schulabschluss.
Vor August 1944 war das faschistische Rumänien
mit Hitler-Deutschland verbündet und der Autor,
glühender Führeranhänger und vom Endsieg
überzeugt. Sein Führerfanatismus und seine
Ablehnung konfirmiert zu werden, denn „ man kann
nur einem Herrn dienen“, werden in der
multikulturellen Familie kopfschüttelnd und mit
Hoffnung auf eine vorübergehende
Pubertätserscheinung toleriert.
Lernt man im Laufe des Romans die ganzen
Familiemitglieder kennen, stellt man sich schon
die Frage, woher die Wurzeln dieser Verehrung
stammen. In der Familie fördert niemand
nationalsozialistisches Gedankengut mit Ausnahme
zweier Tanten, die bei jeder Gelegenheit den
Katechismus des deutschen Übermenschentums
zitieren.
Da ist der Vater, ein weltoffener und toleranter
Mensch, der vor jedem den Hut lüpft, egal ob
Jude oder Zigeuner und mit den Juden auch
weiterhin Kontakt pflegt und Geschäfte macht,
als diese grausam diskriminiert werden. Er ist
den Juden wohlgesonnen und rettet auch einem das
Leben. „Warum willst du unbedingt ein Deutscher
sein?“ fragt er seinen Schwiegervater, der stets
seinen Ahnenpass, der ihn als rein deutschblütig
ausweist, sichtbar bei sich trägt. „Wo man in
Fogarasch keinen Schritt tun kann, ohne in
mehreren Sprachen zu grüßen? Dies wird ein böses
Ende nehmen!“
Jedes Familienmitglied scheint einer anderen
Nationalität anzugehören und seine eigene
Weltanschauung zu haben. Der Großvater ein
Siebenbürger Sachse, aber zu Zeiten geboren als
Siebenbürgen noch zur k.u k. Monarchie gehörte,
empfindet sich als „alter k.u.k Österreicher“.
Die Großmutter entstammt einer ungarischen
Adelsfamilie. Keiner fühlt sich wirklich sicher
und man merkt, dass jeder Vorsichtsmassnahmen
treffen muss, um sich das Überleben zu sichern.
Der Großvater, auch wenn er Siebenbürger Sachse
und aus vollem Herzen alter k.u.k. Österreicher
ist, hieß Goldschmidt. Da er wegen des Namens
für einen Juden gehalten werden kann, trägt er
den braunen Ahnenpass, ständig ostentativ in der
Brusttasche seiner österreichischen
Marineuniform. “So –und nur – so, konnte man
dazumal Goldschmidt heißen!“ Anders als mit dem
Großvater ist es rassisch um die Großmutter
bestellt. Ihr Ahnenpass ist dunkelgrau und sie
wird als arisch geführt, was die Kinder in der
Familie oft mit arabisch verwechseln. Die
Führerideologie der Kindergärtnerin und die
Kaisertreue der Großvaters führen auch bei der
kleinen Schwester des Autors zu Verwirrungen.
Vom Großvater angelernt „Heil Kaiser Franz“ zu
grüßen führt schon mal zu einem „Heil Kaiser
Hitler!“ Gruß.
Im Laufe des Romans merkt man, dass die
unterschiedlichen Nationalitäten trotz der
herrschenden Ideologie versuchen ihre eigene
Identität zu bewahren und das Überleben zu
sichern. Deutlich wird dies auch in dem Kapitel
in dem die Vereidigung der Jugend in Fogarasch
zu Führers Geburtstag stattfinden soll und jeder
in der braunen Uniform erscheinen soll. Der
Autor, erscheint in der von seinen Tanten
geschenkter Uniform, „in großer Kriegsbemalung“
nennt es die Mutter, „in kompletter Montur“ für
den Großvater und für den Vater: am liebsten
nicht. Der Sohn des Photographen Sawatzky,
erscheint in rumänischer Tracht, andere in der
sächsischen Tracht, ein Russenkittel ist
vertreten, eine ungarische Tracht, sowie die
rumänische Pfadfinderuniform. Zum Überleben, die
herrschende Ideologie verfolgen, aber die eigene
kulturelle Identität nicht aufgeben, denn
Ideologien und Machtverhältnisse ändern sich
schnell.
August 1944 wechselt Rumänien die Fronten und
schließt sich den Alliierten an. Die Angst vor
der Roten Armee macht sich breit und die
sowjetischen Truppen ziehen in Bukarest ein.
Arierpass und deutscher Ahnenpass, werden nun
zum Verhängnis, dafür steht die Deportation zur
Zwangsarbeit in die UdSSR.
Fazit:
Auch wenn es sich um einen dramatischen
geschichtlichen Stoff handelt, bereitet das
Lesen dieses Buches Vergnügen. Schlattner
schreibt ironisch, mit subtilem Witz, satirisch.
Ein gehobener Sprachstil und kultivierte
Formulierungen waren für mich das reinste
Vergnügen. Die große Anzahl an Personen die im
Laufe des Romans erscheinen, verwirren manchmal,
aber tun dem Lesevergnügen keinen Abbruch.
Der Autor hat viel Mut gezeigt, sich als
ehemaliger Führerfanatiker zu bekennen, man
verzeiht ihm aber alles. Man hat das Gefühl,
dass er die Ideologie eher zur eigenen
Identifikation gebraucht hat. Zum Schluss ist er
geheilt.
Renata, 16.04.2009
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