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Ein Moloch am anderen Ende der Welt,
Gangsterstadt und Suendenpfuhl zugleich,
gepraegt von einem moerderischen Klima,
einer kaum begreiflichen Kultur - und Exil
fuer 18.000 juedische Emigranten: Schanghai.
Es ist Ende der Dreissiger Jahre, und
entgegen aller Wahrscheinlichkeit lernen der
Wiener Jude Robert und die christlich
getaufte Chinesin Julie sich kennen und
lieben...Die Geschichte ihres Lebens klingt
wie ein Roman.
Es war niemand zu Hause, nur ich. Die Glocke
laeutete - ich hielt den Atem an und spaehte
durchs Guckloch. Es kamen oefter SA-Leute,
um die Mietsparteien zu kontrollieren. Doch
es stand nur ein Bettler vor der Tuer und so
oeffnete ich nicht, sondern schlich zurueck
ins Zimmer. Da laeutete es abermals, und ich
aeugte noch einmal nach draussen.
Irgendetwas stimmte nicht mit dieser
Gestalt. Und ploetzlich wurde mir klar, dass
das mein Vater war. Kahl geschoren, ohne
Brille, uebel zugerichtet. Mehrere Zaehne
waren ihm ausgeschlagen worden, er wirkte
ganz verwahrlost und versehrt, und ein
zerlumpter Mantel umhuellte ihn bis zu den
Knoecheln. Wer weiss, wo er den herhatte: er
war ja schon im Sommer inhaftiert worden.
Natuerlich liess ich ihn nun sofort herein,
aber was sich danach zwischen uns abspielte,
daran kann ich mich kaum mehr erinnern. Doch
ich sehe mich noch heute durch das Guckloch
spaehen.
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Stefan
Schomann
Letzte Zuflucht Schanghai
Gebundene Ausgabe: Heyne Verlag (2008)
ISBN: 3-453-15260-1
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